Der Flughafen Tegel, einst Lebensader West-Berlins und architektonisches Meisterwerk, hat seine Tore für den Flugverkehr geschlossen. Doch die ‚Flughafen Tegel Geschichte‘ ist noch lange nicht zu Ende. Von seiner Entstehung während der Luftbrücke über die ikonische Sechseck-Architektur bis hin zur heutigen Transformation in ein Innovationszentrum und Wohnquartier – Tegel bleibt ein faszinierendes Stück Berliner Geschichte. Tauche ein in die bewegte Vergangenheit und spannende Zukunft dieses besonderen Ortes.
Manche Orte prägen eine Stadt so sehr, dass ihr Abschied ein tiefes Gefühl der Nostalgie hinterlässt. Der Flughafen Berlin-Tegel „Otto Lilienthal“, kurz TXL, ist zweifellos einer davon. Für Generationen von Berlinern war er nicht nur ein Verkehrsknotenpunkt, sondern ein Symbol für Freiheit, Ankunft und Aufbruch. Sein ikonisches Sechseck-Terminal, die kurzen Wege und das besondere Flair machten ihn zu einem der beliebtesten Flughäfen Deutschlands – trotz oder gerade wegen seiner Eigenheiten. Die Geschichte des Flughafens Tegel ist eng mit der jüngeren Historie Berlins verwoben, ein Spiegelbild der geteilten Stadt, des Wiedervereinigungsrausches und der Herausforderungen einer Metropole im stetigen Wandel. Heute, wo keine Flugzeuge mehr von seinen Pisten abheben, beginnt für das riesige Areal ein neues, spannendes Kapitel, das die Berliner Zukunft maßgeblich mitgestalten wird.
Key Facts zur Flughafen Tegel Geschichte
- Geburtsstunde in der Krise: Der Flughafen Tegel wurde 1948 in nur 90 Tagen während der Berliner Luftbrücke aus dem Boden gestampft, um West-Berlin mit lebensnotwendigen Gütern zu versorgen. Die Start- und Landebahn war damals die längste Europas.
- Ziviler Start: Der regelmäßige zivile Flugverkehr begann am 2. Januar 1960 mit einem Flug der Air France nach Paris.
- Architektonisches Meisterwerk: Das 1974 eröffnete sechseckige Terminalgebäude, entworfen von Gerkan, Marg und Partner (gmp), war für seine kurzen Wege und das innovative „Drive-in-Prinzip“ weltberühmt.
- Namensgeber: 1988 wurde der Flughafen nach dem deutschen Luftfahrtpionier Otto Lilienthal benannt.
- Kapazitätswunder: Ursprünglich für 2,5 Millionen Passagiere pro Jahr konzipiert, fertigte Tegel in seinen letzten Betriebsjahren über 20 Millionen Fluggäste ab.
- Denkmalschutz: Seit 2019 steht der Flughafen Tegel „Otto Lilienthal“ unter Denkmalschutz, was seine historische Bedeutung unterstreicht.
- Endgültige Schließung: Der letzte reguläre Linienflug hob am 8. November 2020 ab, nachdem der Flughafen Berlin Brandenburg (BER) in Betrieb genommen wurde.
- Zukunftsland: Das Gelände wird in „Berlin TXL – The Urban Tech Republic“ (Forschungs- und Industriepark) und das „Schumacher Quartier“ (nachhaltiges Wohnviertel) umgewandelt.
Die Notwendigkeit und der rasante Aufbau: Tegel als Retter Berlins
Die wahre Geburtsstunde des Flughafens Tegel liegt in einer der dramatischsten Phasen der Berliner Nachkriegsgeschichte: der Berlin-Blockade von 1948. Als die Sowjetunion alle Land- und Wasserwege nach West-Berlin kappte, stemmten sich die Westalliierten mit der Luftbrücke dagegen. Doch die bestehenden Flughäfen Tempelhof und Gatow reichten bald nicht mehr aus, um die Millionenmetropole zu versorgen. Im französischen Sektor, auf einem ehemaligen Militärgelände, das zuvor als Artillerie-Schießplatz und sogar als Raketenversuchsgelände unter Rudolf Nebel und Wernher von Braun diente, begann ein Wettlauf gegen die Zeit. Rund 19.000 Berlinerinnen und Berliner arbeiteten Tag und Nacht, um eine neue Start- und Landebahn zu bauen. In nur 90 Tagen entstand die damals längste Piste Europas mit 2.428 Metern. Am 5. November 1948 landete das erste Flugzeug, eine Douglas C-54, in Tegel. Dieser Akt des gemeinsamen Anpackens, der Improvisation und des Überlebenswillens legte den Grundstein für die besondere Rolle, die Tegel in den Herzen der Berliner spielen sollte. Es war ein Flughafen, der aus der Not geboren wurde, aber schnell zum Symbol der Widerstandsfähigkeit avancierte. Nach dem Ende der Luftbrücke wurde Tegel zunächst weiter militärisch genutzt, bevor 1960 Air France den zivilen Linienverkehr aufnahm und damit eine neue Ära einläutete.
Das Sechseck-Wunder: Eine architektonische Ikone entsteht
Was Tegel für viele so unvergesslich machte, war seine einzigartige Architektur. In den 1960er Jahren, als der zivile Flugverkehr in West-Berlin stetig zunahm und Tempelhof an seine Grenzen stieß, gewann das junge Architekturbüro von Gerkan, Marg und Partner (gmp) den Wettbewerb für einen modernen Airport. Ihr Entwurf für das Terminalgebäude, das 1974 eröffnet wurde, war eine Revolution: ein sechseckiger Ring, der das berühmte „Drive-in-Prinzip“ ermöglichte. Fluggäste konnten direkt mit dem Auto, Taxi oder Bus vor ihren Check-in-Schalter fahren, die Sicherheitskontrolle passieren und über eine Gangway in weniger als 50 Metern ins Flugzeug steigen. Diese Effizienz und die extrem kurzen Wege waren ein Komfortmerkmal, das Tegel von den meisten anderen Großflughäfen abhob und bis zuletzt von Vielfliegern geschätzt wurde. Das Gebäude war nicht nur funktional, sondern auch ästhetisch ein Kind seiner Zeit: stromlinienförmige Formen, ein farbenfrohes Leitsystem und der bullige Tower prägten das Bild. Es war ein Paradebeispiel für moderne Architektur, die Funktion und Form auf beeindruckende Weise vereinte und Tegel zu einem internationalen Vorbild machte. 1988 erhielt der Flughafen seinen offiziellen Beinamen „Otto Lilienthal“, eine Hommage an den Flugpionier, dessen Geist in Tegel weiterlebte. Wer mehr über die Entwicklung der moderne Architektur erfahren möchte, findet bei uns spannende Einblicke.
FAQ
Wann wurde der Flughafen Tegel geschlossen?
Der Flughafen Berlin-Tegel „Otto Lilienthal“ wurde am 8. November 2020 für den regulären Flugbetrieb geschlossen, nachdem der neue Flughafen Berlin Brandenburg (BER) in Betrieb genommen wurde. Die Entwidmung als Verkehrsflughafen erfolgte am 5. Mai 2021.
Was passiert mit dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tegel?
Das Gelände des ehemaligen Flughafens Tegel wird in zwei große Projekte umgewandelt: „Berlin TXL – The Urban Tech Republic“, ein Forschungs- und Industriepark für urbane Technologien, und das „Schumacher Quartier“, ein neues, nachhaltiges Wohnviertel für über 10.000 Menschen. Temporär dient es auch als Flüchtlingsunterkunft.
Warum war der Flughafen Tegel so besonders?
Der Flughafen Tegel war besonders wegen seiner einzigartigen sechseckigen Architektur und des „Drive-in-Prinzips“, das extrem kurze Wege vom Check-in bis zum Flugzeug ermöglichte. Er war ein Symbol für West-Berlin und seine Widerstandsfähigkeit während der Luftbrücke und galt trotz seiner Überlastung als einer der effizientesten Flughäfen der Welt.




