Mitten im pulsierenden Berlin, genauer gesagt im lebendigen Stadtteil Gesundbrunnen, liegt ein Ort, der für viele Berlinerinnen und Berliner weit mehr ist als nur eine Grünfläche: der Volkspark Humboldthain. Er ist eine grüne Lunge, ein Geschichtsbuch unter freiem Himmel und ein Abenteuerspielplatz für Jung und Alt zugleich. Wenn du durch seine weitläufigen Anlagen schlenderst, begegnest du nicht nur entspannten Menschen, die die Sonne genießen oder Sport treiben, sondern auch den stillen Zeugen einer bewegten Vergangenheit. Der Humboldthain ist ein Ort voller Kontraste, wo historische Bedeutung auf moderne Freizeitkultur trifft und die Natur die Narben der Geschichte sanft überwachsen lässt. Begleite uns auf eine Entdeckungsreise durch diesen einzigartigen Park, der immer wieder aufs Neue überrascht und begeistert.
Key Facts zum Volkspark Humboldthain
- Historische Wurzeln: Der Park wurde anlässlich des 100. Geburtstags von Alexander von Humboldt im Jahr 1869 angelegt und nach ihm benannt. Der ursprüngliche Entwurf stammt von Gartenarchitekt Gustav Meyer.
- Größe und Lage: Mit einer Fläche von rund 29 Hektar bietet der Volkspark Humboldthain im Berliner Ortsteil Gesundbrunnen (Bezirk Mitte) viel Raum für Erholung und Aktivitäten.
- Flaktürme als Mahnmale: Im Zweiten Weltkrieg wurden hier monumentale Flaktürme errichtet. Einer davon dient heute als Humboldthöhe mit einer Aussichtsplattform, der andere beherbergt im Winter Fledermäuse und wird im Sommer für Führungen genutzt.
- Grüner Wiederaufbau: Nach massiven Zerstörungen im Krieg wurde der Park zwischen 1948 und 1951 unter der Leitung von Günther Rieck neu gestaltet, wobei die Trümmer der Bunker zu Hügeln aufgeschüttet wurden.
- Vielfältige Freizeitmöglichkeiten: Der Park lockt mit einem Rosengarten, einem Wassergarten, mehreren Spielplätzen (inkl. Abenteuerspielplatz), einer Rodelbahn im Winter und dem beliebten Sommerbad Humboldthain.
- Sportliche Herausforderungen: Die Wände der ehemaligen Bunker werden vom Deutschen Alpenverein als Kletterwände genutzt und bieten Routen in hohen Schwierigkeitsgraden.
- Einzigartiger Weingarten: Ähnlich wie am Kreuzberg gibt es auch im Humboldthain einen kleinen Weingarten, dessen Trauben zum „Humboldthainer Hauptstadtsekt“ verarbeitet werden, der zu besonderen Anlässen gereicht wird.
Eine grüne Lunge mit Geschichte: Von der Idee zur Realität
Die Geschichte des Volksparks Humboldthain ist eng mit der Entwicklung Berlins im 19. Jahrhundert verbunden. Als die Stadt immer dichter wurde und die Industrialisierung voranschritt, wuchs der Wunsch nach grünen Erholungsräumen für die Bevölkerung. So entstand die Idee, nach dem Vorbild des Volksparks Friedrichshain auch im Norden Berlins einen großen Park anzulegen. Die Planungen begannen bereits 1865, und der Baubeginn fiel auf ein denkwürdiges Datum: den 14. September 1869, den 100. Geburtstag des weltberühmten Naturforschers Alexander von Humboldt. Ihm zu Ehren wurde der Park benannt und ein Gedenkstein gesetzt, der die Verbindung zur Naturwissenschaft und Erkundung betonen sollte.
Der Entwurf stammte von Gustav Meyer, einem Schüler des berühmten Landschaftsarchitekten Peter Joseph Lenné. Meyer schuf einen Landschaftspark, der die Natur in den Vordergrund stellte. Exotische Gehölze aus Europa, Asien und Nordamerika wurden gepflanzt und mit Etiketten versehen, um den Besuchern und Schulen als Anschauungsmaterial zu dienen – ganz im Sinne Humboldts Forschungsgeist. Es gab sogar einen kleinen Botanischen Garten mit Freilandvivarium und eine geologische Wand, die einen Querschnitt durch die Gesteine Mitteleuropas zeigte. Ein besonderes Highlight war der erste in einem Berliner Park eingerichtete Spielplatz, der zunächst für Schulen und Vereine gedacht war und im Winter sogar geflutet werden konnte, um als Eisfläche zu dienen.
In den 1920er Jahren erfuhr der Park eine erste größere Umgestaltung, um den Anforderungen der modernen Volksgärten gerecht zu werden. Es kamen weitere Spielplätze und Sportanlagen hinzu, die den Humboldthain noch attraktiver für die wachsende Stadtbevölkerung machten. Doch diese Idylle sollte nicht von Dauer sein.
Zeitzeugen aus Beton und Grün: Die Flaktürme des Humboldthain
Der Zweite Weltkrieg hinterließ tiefe Narben im Volkspark Humboldthain. Zwischen 1941 und 1942 wurden hier zwei monumentale Flaktürme errichtet: ein Gefechtsturm und ein Leitturm mit Radaranlage. Diese Hochbunker dienten der Flugabwehr und boten der Bevölkerung Schutz. Ihre kurze Bauzeit war nur unter Einsatz zahlreicher Zwangsarbeiter möglich.
In den letzten Tagen der Schlacht um Berlin im April/Mai 1945 wurden die Türme zu letzten Rückzugsorten und Kampfschauplätzen. Nach Kriegsende waren die ursprünglichen Parkanlagen weitgehend zerstört. Doch die Berliner machten aus der Not eine Tugend: Die unzerstörbaren Bunker wurden mit rund einer Million Kubikmetern Trümmerschutt aus der zerstörten Stadt aufgefüllt und mit Erde bedeckt. So entstanden die heutigen grünen Hügel, die dem Park seinen unverwechselbaren Charakter verleihen.
Der nördliche Gefechtsturm wurde teilweise gesprengt und angeschüttet und ist heute als Humboldthöhe bekannt. Mit 85 Metern Höhe bietet er eine fantastische Aussicht über Berlin und dient als beliebter Treffpunkt, besonders zum Sonnenuntergang. Auf einer der Plattformen erinnert eine Aluminiumskulptur von Arnold Schatz aus dem Jahr 1967 an den Wunsch nach der Deutschen Wiedervereinigung, im Volksmund liebevoll „Plumpenpickel“ genannt. Der gesprengte Leitturm wurde fast vollständig mit Schutt überdeckt und dient im Winter als beliebte Rodelbahn.
Ein besonderes Highlight sind die Führungen des Vereins Berliner Unterwelten durch die zugänglich gemachten Teile des Gefechtsturms. Hier kannst du tief in die Geschichte eintauchen und die verborgenen Gänge erkunden. Im Winter verwandelt sich der Bunker übrigens in ein wichtiges Fledermaus-Winterquartier, das rund 250 Tieren sechs verschiedener Arten Schutz bietet – der drittgrößte Überwinterungsplatz für Fledermäuse in Berlin.
Mehr als nur Grün: Erholung, Sport und Naturerlebnisse
Heute ist der Volkspark Humboldthain ein lebendiger Ort, der für jeden etwas bereithält. Wenn du Ruhe suchst, ist der Rosengarten ein wahrer Rückzugsort. Er entstand an der Stelle der zerstörten Himmelfahrtkirche und ist nach dem Vorbild italienischer Renaissancegärten gestaltet. Mit seinen sorgfältig angelegten Hecken, Wegen und rund 15.000 Rosen in 70 Sorten ist er eine Augenweide. Hier findest du auch die Bronzeplastik „Diana“ von Walter Schott und einen charmanten Brunnen mit Biberfiguren.
Ein weiteres idyllisches Kleinod ist der 1981 angelegte Wassergarten. Ein kleines Fließ entspringt an einem Brunnen und schlängelt sich durch das Gelände, bildet Tümpel und Feuchtbiotope, bevor es vor einer Liegewiese versickert. Hier kannst du auf den bereitgestellten Sitzgelegenheiten verweilen und die Natur genießen.
Für Familien ist der Humboldthain ein Paradies. Neben großzügigen Freiflächen gibt es mehrere Spielplätze, darunter einen betreuten Abenteuerspielplatz mit Kieztreffpunkt für Kinder und Jugendliche. Und wenn der Winter Berlin in ein weißes Kleid hüllt, verwandelt sich der kleine Bunkerberg in eine beliebte Rodelbahn.
Sportbegeisterte kommen ebenfalls auf ihre Kosten. Die nördliche Wand des großen Bunkers und die Wand des kleinen Bunkers stehen unter dem Hausrecht des Deutschen Alpenvereins (DAV, Sektion Berlin) und werden zum Sportklettern in den oberen Schwierigkeitsgraden genutzt. Eine einzigartige Möglichkeit, sich sportlich zu betätigen und gleichzeitig ein Stück Berliner Geschichte zu erleben.
Und apropos Genuss: Wusstest du, dass es im Humboldthain einen kleinen Weingarten gibt? Ähnlich wie am Kreuzberg werden hier jährlich etwa 200 Flaschen Wein gekeltert. Aus seinen Trauben wird sogar der exklusive „Humboldthainer Hauptstadtsekt“ gewonnen, der allerdings nicht käuflich ist, sondern nur zu besonderen Anlässen vom Bezirksamt verschenkt wird.
Der Volkspark Humboldthain heute: Ein lebendiger Treffpunkt
Der Volkspark Humboldthain hat sich über die Jahrzehnte zu einem zentralen Treffpunkt für die Bewohner des Weddings und darüber hinaus entwickelt. Er ist ein Ort, an dem sich die Stadtgesellschaft trifft, entspannt und aktiv ist. Ob du einfach nur spazieren gehen möchtest, die Aussicht von der Humboldthöhe genießen, im Sommerbad eine Abkühlung suchst oder an einer der spannenden Führungen teilnehmen willst – der Park bietet unzählige Möglichkeiten. Wenn du die Stadt gerne zu Fuß erkundest, findest du hier eine wunderbare Abwechslung zu den belebten Straßen Berlins. Schau doch mal bei unseren Wanderwege Berlin vorbei, um weitere Inspirationen zu finden.
Auch kulturell hat der Humboldthain einiges zu bieten. Im S-Bahnhof Humboldthain wurde 2013 der Humboldthain Club eröffnet, der mit House-, Techno- und anderen Veranstaltungen auf zwei Ebenen und einer Freifläche ein lebendiges Nachtleben bietet. Und seit 2018 bereichert die Galerie Tropez im Sommerbad Humboldthain das kulturelle Angebot, indem sie Kunst und Badespaß auf innovative Weise miteinander verbindet.
Der Volkspark Humboldthain ist ein Paradebeispiel dafür, wie sich ein urbaner Raum ständig neu erfinden kann, ohne seine Wurzeln zu vergessen. Er ist ein Ort, der die Geschichte Berlins atmet, gleichzeitig aber modern und zukunftsorientiert ist. Er lädt dich ein, die Vielfalt der Stadt zu erleben und bietet eine willkommene Auszeit vom Großstadtrubel. Wenn du noch mehr von Berlins Sehenswürdigkeiten in Berlin entdecken möchtest, bist du hier genau richtig, denn der Humboldthain ist definitiv ein Highlight, das man nicht verpassen sollte.
Fazit
Der Volkspark Humboldthain ist ein wahres Berliner Juwel, das Geschichte, Natur und moderne Freizeitgestaltung auf einzigartige Weise miteinander verbindet. Von seiner Gründung im 19. Jahrhundert als grüner Erholungsort, benannt nach dem großen Alexander von Humboldt, bis zu seiner dramatischen Rolle im Zweiten Weltkrieg und dem anschließenden Wiederaufbau hat der Park eine bemerkenswerte Entwicklung durchgemacht. Die ehemaligen Flaktürme, heute als Humboldthöhe und Kletterwände genutzt, erzählen stumme Geschichten, während der idyllische Rosengarten und der Wassergarten zum Verweilen einladen. Ob du die Aussicht genießen, im Sommerbad planschen, die Geschichte der Berliner Unterwelten erkunden oder einfach nur die grüne Lunge der Stadt erleben möchtest – der Humboldthain bietet für jeden Geschmack das Richtige. Er ist ein lebendiger Beweis dafür, wie Berlin seine Vergangenheit bewahrt und gleichzeitig Räume für die Zukunft schafft. Ein Besuch im Volkspark Humboldthain ist immer eine Reise wert, um die Seele baumeln zu lassen und die facettenreiche Schönheit Berlins zu entdecken.
FAQ
Was ist das Besondere am Volkspark Humboldthain?
Der Volkspark Humboldthain ist einzigartig, da er eine Mischung aus historischer Bedeutung und vielfältigen Freizeitmöglichkeiten bietet. Er beherbergt ehemalige Flaktürme aus dem Zweiten Weltkrieg, die heute als Aussichtsplattform (Humboldthöhe) und Kletterwände dienen und im Winter Fledermäusen Unterschlupf bieten. Zudem gibt es einen wunderschönen Rosengarten, einen Wassergarten, ein Sommerbad und sogar einen kleinen Weingarten, der den exklusiven „Humboldthainer Hauptstadtsekt“ produziert.
Gibt es im Volkspark Humboldthain noch Spuren des Zweiten Weltkriegs?
Ja, die auffälligsten Spuren des Zweiten Weltkriegs sind die beiden ehemaligen Flaktürme. Einer wurde nach dem Krieg teilweise gesprengt und mit Trümmern zur Humboldthöhe aufgeschüttet, die heute eine Aussichtsplattform ist. Der andere Leitturm wurde ebenfalls mit Schutt bedeckt und dient im Winter als Rodelbahn. Teile der Bunkeranlagen sind über den Verein Berliner Unterwelten zugänglich und können im Sommer im Rahmen von Führungen besichtigt werden.
Welche Freizeitmöglichkeiten bietet der Volkspark Humboldthain?
Der Volkspark Humboldthain bietet eine breite Palette an Freizeitmöglichkeiten. Dazu gehören entspannte Spaziergänge durch den Rosengarten und am Wassergarten, Schwimmen im Sommerbad Humboldthain, Sportklettern an den Bunkerwänden, Rodeln im Winter, mehrere Spielplätze für Kinder (darunter ein Abenteuerspielplatz) und große Liegewiesen für Picknicks und Erholung. Zudem gibt es kulturelle Angebote wie den Humboldthain Club und die Galerie Tropez im Sommerbad.







